Redeten noch vor einigen Jahren alle über den demografischen Wandel, so ist heute sicherlich die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf unsere Gesellschaft das bestimmende Thema. Eine Studie der Universität St. Gallen hat sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Gesundheit beschäftigt. Dies sind wichtige Fragen, da wir seit längerem ahnen, dass gesundheitliche Probleme auf diesen rasanten technischen Wandel zurückzuführen sind.

Digitalisierung ist in allen Branchen Realität

Über 8ooo Menschen in Deutschland wurde über eine standardisierte Onlinebefragung in diese Studie eingebunden. Die Auswertungen ergaben, dass die Digitalisierung in der Erwerbsbevölkerung und somit in der Realität vollständig angekommen ist und es nur marginale Unterschiede zwischen den Branchen gibt. Die Digitalisierung erzeugt einen Veränderungsdruck, Beschäftgte äußern das Gefühl, schneller arbeiten und sich intensiver fortbilden zu müssen. Es liegt auf der Hand, dass der Wissensstand vielfach höher ist als noch vor 20 Jahren und somit auch die Anforderungen an jeden Einzelnen.

Besonders stark betroffen sind IT- und naturwissenschaftliche Berufe. Auch ist eine höhere Belastung unter Führungskräften sowie jüngeren Berufstätigen auszumachen. Wobei es zwischen den Altersstrukturen wiederum kaum Unterschiede in der eigenen Wahrnehmung von technischen Fähigkeiten gibt. Arbeitnehmer unter 50 Jahren haben allerdings größere Ängste, dass Sie aufgrund der Digitalisierung ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Bei den unter 40-jährigen befürchten immerhin 25%, dass ihr Job wegdigitalisiert werden könnte.

Negativen Einfluss auf unser Privatleben

Seit längerem wird bereits der Zusammenhang zwischen der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags mit gesundheitlichen Schwierigkeiten wie Schlafproblemen, Erschöpfung aber auch Burnout in Zusammenhang gebracht. Dies stützen auch die Ergebnisse dieser Studie. 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich durch ihre Arbeit emotional erschöpft fühlen. Bei 18 Prozent der auftretenden familiären Konflikten besteht ein Zusammenhang zu der Digitalisierung unseres Alltages.

Die #Digitalisierung von Unternehmen und die damit verbundenen Veränderungen haben nur einen geringen Einfluss auf den #Krankenstand. Klick um zu Tweeten

Es ist jedoch auch so, dass wir selber einen großen Einfluss nehmen können, wie stark wir die Digitalisierung unsere Freizeit bestimmen lassen. Somit können wir selber auch den Grad der emotionalen Erschöpfung reduzieren. Wer auch in seiner Freizeit permanent beruflich erreichbar ist und einem ständigen digitalen Grundrauschen ausgesetzt ist, der ist in der Regel auch deutlich stärker von dem Risiko von Erschöpfung und Schlafproblemen betroffen. Die Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass wir unterm Strich unsere Arbeitsfähigkeit erhöhen, wenn wir auch häufiger einmal in unserer Freizeit alle Information- und Kommunikationstechnik abschalten. Gerade eine regelmäßige sportliche Betätigung in unserer Freizeit hat einen positiven Effekt und kann vor allem Kopfschmerzen reduzieren.

Chefs und Führungskräfte sind in der Verantwortung

Die Digitalisierung hat aber natürlich auch viele Vorteile. Ein Vorteil kann eine mögliche Flexibilität in den Arbeitszeiten sein. Home Office Zeiten sind in vielen Betrieben bereits an der Tagesordung, jedoch streuben sich andere Unternehmen auch noch spürbar gegen diese Veränderungen und auch nicht in allen Branchen können diese Modelle zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel auch im Gesundheitsbereich.

Die Studie hat deutlich gezeigt, dass ein gewisses Maß an Flexibilität in den Arbeitszeiten aber auch dem Arbeitsort einen deutlichen reduzierenden Einfluss auf die emotionale Erschöpfung sowie die Arbeits- und Familienkonflikte hat.

Die Chefs und Führungskräfte sind bezüglich des Umgangs mit neuen Technologien in den Unternehmen aber gerade auch mit der beruflichen Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik in der Freizeit in der Verantwortung. Die Führungskräfte sollten diesbezüglich klare Vorgaben erstellen. Es hat sich gezeigt, dass eine gute Beziehung zum Chef oder zur Führungskraft dazu führt, dass der Mitarbeiter sich sicherer im Umgang mit der Digitalisierung fühlt. Ein sicherer Umgang bedeutet aber auch, dass der Mitarbeiter weniger negativen Stress erfährt und somit die Auswirkungen auf die Gesundheit weniger stark ausgeprägt sind.

Eine eher distanzierte Beziehung zum Chef und zur Führungskraft führt schneller zu einem Überforderungsklima mit gesundheitlichen Nachteilen. Daher ist der persönliche Kontakt zu seinen Mitarbeitern ein wichtiger Punkt und es gilt ein vernünftiges Maß zu finden. Eine prinzipielle Kommunikation über technische Möglichkeiten scheint am Ende eher kontraproduktiv zu sein.

Eine gute Beziehung kann hingegen zu einem Innovationsklima im Unternehmen führen. Gerade wenn dafür gesorgt wird, dass sich die Mitarbeiter sicherer im Umgang mit der Digitalisierung fühlen, kann positiver Stress mit gesundheitlichen Vorteilen dabei herauskommen.

Es fehlt eine #Digitalstrategie für unsere Schulen, um unsere Kinder vernünftig auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Klick um zu Tweeten

Digitalisierung beginnt bei unseren Kindern

Jeder der Kinder hat, kann dies sicherlich bestätigen. Der Umgang mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnik ist bei Kindern weit verbreitet und ein gesundes Maß ist hier für die Eltern nicht immer leicht durchzusetzen.

Umso erschreckender ist, dass unsere Schulen keine Digitalstrategie für die Schüler zur Ausbildung von diversen Grundkenntnissen zur Hand hat. Deutschland ist das einzige europäische Land, das hier immer noch keine Maßnahmen umgesetzt hat. Ab dem Schuljahr 2018/2019 soll sich dies ändern, die Qualität der Umsetzung bleibt allerdings abzuwarten. Denn eine große Herausforderung und Knackpunkt wird sicherlich auch die Ausbildung unserer Lehrkräfte sein, damit die Umsetzung gelingen kann. Aktuell wird auf dem Bildungskongress 2018 in Köln diskutiert.

Umso mehr sind die Eltern in Ihrer Verantwortung gefragt, um den Kindern einen vernünftigen und vor allem sicheren Umgang beizubringen und als Vorbilder zu agieren. Dies ist jedoch verständlicher Weise auch für viele Eltern eine große Herausforderung.