Robby Clemens läuft bereits seit einem Jahr seinen Traum. Einmal zu Fuß vom Nordpol zum Südpol ist die leidenschaftliche Herausforderung des 55-Jährigen. Die geplante Tour des Extremsportlers dauert 2 Jahre. Dabei sind Rekorde eher uninteressant für Robby, er möchte viel mehr andere Menschen inspirieren.

 

Start bei -40 Grad am Nordpol

Robby Clemens nimmt am Nordpol-Marathon 2017 teil.

Der Startschuss fiel im März 2017 mit der Teilnahme am Nordpol-Marathon. Auch in Grönland herrschten ähnliche Temperaturen, jedoch mit extremen Temperaturschwankungen und Stürmen. Mit Steigeisen, Skiern und 90 Kilo Gepäck im Pulka-Schlitten kämpfte Robby 20 Tage lang gegen eine weiße Wand an. Diese ersten Wochen waren mit der gefährlichste Teil seiner Tour und nicht nur kräftemäßig sondern gerade auch mental eine enorme Herausforderung.

Über die Wildnis Kanadas ging es für Robby entlang der Ostküste der USA immer weiter Richtung Süden. Pro Lauftag versucht Robby mindestens einen Marathon zurückzulegen. Aber er betont auch, dass er die Strecke nicht durchläuft. Ihm geht es viel mehr um das Erlebnis, um Erfahrungen am Wegrand mit den Menschen, die er trifft.

 

Robby trifft Rammstein in New York

Robby mit Till Lindemann von Rammstein

Auf seinem Weg entlang der Ostküste der USA konnte Robby auch seinen bereits aus Deutschland geplanten Besuch bei der Rockband Rammstein in New York wahrnehmen und mit Sänger Till Lindemann über seine Tour vom Nordpol zum Südpol sprechen. Dies war für den langjährigen Fan der Band ein ganz besonderes Erlebnis und Motivation für die weiteren Strapazen der Tour. Denn nicht jeder Tag läuft wie geplant, es passieren zwischendurch auch immer wieder Dinge, auf die Robby reagieren muss und Strategien entwickeln muss, um die Probleme anzugehen. Zum Beispiel wird er nachts auch häufiger von seinen Schlafplätzen verscheucht, da die Polizei ihn für einen Landstreicher erachtet, denn er reist alleine mit einem Koffer, zwei Rucksäcken, Regensachen, Kocher und Matratze in einem Kinderbuggy gepackt durch die USA.

 

Wie ist Robby zum Laufen gekommen? Der Kampf gegen das Trinken.

Robby besaß einmal eine gut laufende Baufirma aus dem Familienbesitz. In den 90er Jahren verlor er aber durch die Schneider-Pleite einen Millionenbetrag und musste am Ende sogar das Haus seiner Eltern versteigern. 40 Jahre harte Arbeit seiner Eltern waren vernichtet und Robby suchte Zuflucht im Alkohol. Sein Leben hatte sich komplett gewandelt. Eines Tages fällt er betrunken in eine Glasscherbe und muss sich hausärztlich behandeln lassen. “Mein Arzt hat mich geohrfeigt und gesagt, wenn du so weitermachst, stirbst du!”. Dies war der Momenent, in dem bei Robby ein Schalter umgelegt und ihm klar wurde, dass er vom Alkohol weg musste. Ein Bekannter berichtete ihm davon, dass er jemanden kenne, der durch das Laufen vom Alkohol losgekommen ist. Kurzentschlossen kaufte sich Robby ein Paar Laufschuhe und rannte los. Am Anfang war dies natürlich sehr schleppend und er schaffte nur eine halbe Runde auf dem örtlichen Sportplatz, nach zwei Wochen war es dann schon zwei Runden, die sich mit 125 Kilogram wie sein erster Marathon anfühlten und schließlich absolvierte Robby tatsächlich seinen ersten Marathon. Als er im Ziel seiner Familie in die Arme lief, wusste er, dass Laufen sein neues Leben ist. Seit dem ersten Moment des Loslaufens hat Robby keinen Schluck Alkohol mehr angerührt. Das ist mittlerweile 20 Jahre her.

Dabei ist der abrupte Alkoholentzug nicht ungefährlich. Es können schwere gesundheitliche Komplikationen auftreten und Ärzte raten zu einem Entzug unter stationärer Aufnahme und ärztlicher Kontrolle in einer Klinik.

Robby berichtet “wenn man in Deutschland in die Insolvenz gegangen ist, wird man wie ein Aussätziger behandelt”. Nun möchte er zeigen, dass man auch nach einem großen Rückschlag wieder aufstehen und sich seine Träume verwirklichen kann. So wird Robby zum Motivator für viele Menschen, die vielleicht schon ähnliche Momente im Leben erfahren haben aber auch für alle andere.

 

Dodge “Franky” der treue Weggefährte

Robby mit Begleitfahrzeug Dodge “Franky”

Seit den USA begleitet Robby nun auch ein Begleitfahrzeug mit wechselnden Fahrern, die sich einfach freuen, Robby auf seinem Abenteuer ein Stück begleiten zu können. Da Robby nicht wie andere Leistungs- und Extremsportler von großen Unternehmen gesponsort wird, ist das Geld durchaus knapp. Mittels eines Spendenaufrufes und tatkräftiger Unterstützung konnte in Texas schließlich ein eigenes Fahrzeug organisiert werden, welches nach einem Aufruf auf facebook liebevoll “Franky” getauft wurde. Unterwegs spricht Robby mit Unternehmern und Botschaftern aller Länder und hält Vorträge über seine Tour und seine Motivation. Dabei repräsentiert er auch unser Land, denn die Deutschlandfahne hat er ständig dabei.

Robby erfährt große Unterstützung von lieben Menschen, die ihm Essen, einen Schlafplatz oder andere Hilfe anbieten. Und auch die gedankliche Unterstützung aus Deutschland ist im sicher, denn immer wieder erreichen ihn Videobotschaften, die ihm Mut zusprechen. Denn wie Robby selber beschreibt, ist das Kopfkino die stärkste Belastung. Es kommen auch immer wieder unangenehme Gedanken oder auch Heimweh auf. Mit seiner Frau, seinen Kindern und seinen Eltern hält er über Whatsapp den Kontakt aufrecht und Robby ist immer wieder froh, wenn er mit jemandem reden kann.

 

Grenzübertritte sind eine große Herausforderung

Dodge “Franky” muss von Panama nach Kolumbien verschifft werden.

Auf seiner Tour passiert Robby viele unterschiedliche Länder und die Grenzübertritte stellen immer eine ganz besondere Herausforderung da. Gerade steckt Robby in Panama an der Grenze zu Kolumbien fest und es geht auf dem Landweg nicht weiter. Nun muss auf ein Boot oder ein Flugzeug umgesattelt werden, um die nicht passierbare Stelle zu überwinden. Auch “Franky” muss natürlich verschifft werden und es gilt erneut die Geldreserven aufzuzüllen, um auch diese Schwierigkeit zu meistern. Aber Robby besitzt eine enorme mentale Stärke, die ihn auch in dieser Situation nicht aus der Bahn wirft. Einen ganzen Tag verbringt er, um ein benötigtes Formular zu beschaffen, das erinnert schon fast wieder an unsere deutsche Bürokratie. Das erste Problem ist am Ende gelöst, Doge “Franky” kann am 03. März 2018 seine Reise nach Kolumbien antreten. Nun gilt es aber noch im Hafen von Colon die unendliche Fülle an Formularen für den eigenen Grenzübertritt auszufüllen. Zum Glück stehen Robby auch hier wieder eine Menge helfender Menschen zur Seite, so dass am Ende hoffentlich auch diese Prüfung überstanden werden kann, um seinen Traum wieder einen Schritt näher zu kommen. Dem Südpol!

 

Facebook-Posting von Robby Clemens, 10.März 2018

Robby an der Küste Südamerikas
Nun bin ich in Südamerika und kann nicht schlafen!
Wow, jetzt bin doch tatsächlich in Südamerika. Ich sitze hier allein am Karibischen Meer und denke zurück an das bisher erlebte. Was waren das für bewegende und erlebnisreiche Monate. Ich habe soviel gesehen und erlebt wie sonst in 30 oder 40 Jahren nicht. 
DANKE!!!!!

Robby Clemens im Ziel, Nordpol-Marathon 2017